Details zur Verkostungsnotiz Eintrag erstellt/geändert am 12.05.19 19:01

Bezeichnung: Cuvée weiß - Amistar - Vino da Tavola
Winzer/Produzent: Peter Sölva
Land / Region: Italien - Südtirol
Jahrgang: 2012
Typ: Weißwein
Rebsorte: Cuvée
Alkohol (Vol.%): 13,5
Verschluss: Naturkork
Weitere Angaben: Im Bianco sind Pinot Grigio, Sauvignon und 40 % Chardonnay enthalten, wobei insgesamt 5 % Trockenbeeren verwendet werden, die zuvor am Rebstock getrocknet sind. Der Chardonnay bleibt für ein halbes Jahr in Barrique-Fässern, die anderen Rebsorten reifen auf der Feinhefe im Stahl.
Preis: 15,6 Euro je 0,75 l (ab Hof) - 18.08.2014
Bewertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25
Preis / Genuss: akzeptabel/angemessen
Autor/Verkoster: EThC
Verkostungsdatum: 12.05.2019
Eingetragen von: EThC ... geändert von EThC ... [Rückfrage zur VKN an EThC]
VKN im Detail: Verkostung vom 10.07.2015:

Die Farbe ist ein schönes Goldgelb, in der Nase zuerst ein Duft nach frittierten Kochbananen (erst dann frittiert, wenn die Schale schon sehr dunkelgelb mit schwarzen Flecken ist), Backäpfeln mit etwas Zimt und etwas Spekulatius. Auch etwas Obstblütenhonig und Honigmelone. Ganz leicht rauchig. Da wird der Nase also doch einiges geboten. Am Gaumen ebenfalls ein bißchen Weihnachtsgebäck, kandierte Früchte, reifer Pfirsich, Papaya, ein paar Nelken und Sternanis. Recht trocken, aber mit hohem Extrakt, feine, aber nicht dominiernde Säure. Zu den 13,5 PS steht der Wein. Kraftvoll, elegant, intensiv, nichts für die ganz warmen Tage, aber wenn es wie heute eher gemäßigt draußen ist, ist auch der Amistar Bianco ein schöner Sommerwein. Zwischen den Schlucken kann man sich Zeit lassen, der mineralische Abgang macht lang anhaltend Freude.

Ich mag auch gerne mal opulente und kraftvolle Weine. Vor allem dann, wenn sie bei aller Intensität doch mit einem gewissen Understatement daherkommen und sich nicht wie ein Pfau aufplustern und einem gleich Respekt einflößen wollen. Der Amistar Bianco ist ein schöner Vertreter dieses Weintypus.

Wertung vom 10.07.2015: Nachkauf 2 von 3

------

Verkostung vom 22.07.2017:

Im Glas ein schön dichtes Goldgelb, in der Nase vorwiegend gelbe, intensive Fruchtaromen von Nektarine, Mirabelle, Quitte und Kaktusfeige, die auf einem deutlichem Kräuterbett aus Estragon, Thymian und Kerbel daherkommen. Vom Holz her ein bißchen schweißgegerbte Lederjacke. Am Gaumen werden die Früchte noch durch etwas Kochbanane, gelbe Kiwi und Zitronat ergänzt, weiters spielen noch ein paar Rosinen mit. Die Säure wirkt moderat, allerdings steht ihr auch recht gehöriger Extrakt gegenüber; insgesamt ist der weiße Amistar bei einiger Cremigkeit aber noch deutlich auf der niederviskosen Seite unterwegs. Das Holz zeigt sich hier angenehm zurückhaltend in Form von etwas Sternanis und ansatzweise Kakaobohne. Der Abgang hält locker einige Minuten durch, präsentiert nochmal die ganze intensive Fruchtpalette auf würziger und leicht rauchiger Unterlage.

Die einzelnen Rebsorten können -zwei Jahre nach der letzten Verkostung- einige ihrer typischen Merkmale immer noch erfolgreich verteidigen, das führt zu einer nicht geringen Komplexität. Gefällt mir nun nochmal etwas besser als beim letzten Versuch, vor allem der Spagat zwischen druckvoller Präsenz und leichtem Trinkfluß ist vorbildlich geglückt. Man merkt eine deutliche Reifeentwicklung, ohne daß der Wein bereits "alt" wirken würde, die Komplexität ist wohl etwas gestiegen. Insgesamt noch sehr ähnlich zu dem Stadium von vor zwei Jahren, der Höhepunkt ist wahrscheinlich noch ein paar Jahre entfernt, dennoch jetzt auch sehr viel Freude bereitend.

Wertung vom 22.07.2017: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

-------

Verkostung vom 12.05.2019:

Im Glas ein leicht zum orangen tendierendes Goldgelb, für's Näschen gibt's leider gleich einen zwar nur leichten, aber eben doch deutlichen Korkhauch. Also hab' ich mal wieder zur Frischhaltefolie gegriffen, welche den Korkmuff tatsächlich vollständig eliminiert hat. Dann gab's herben, dunklen Honig (wie Koriander-, Kastanie-) und weit fortgeschrittene Marulas, dazu eine vor längerer Zeit mit Xylamon gestrichene Holzhütte. Am Gaumen gibt's einiges an oxidierter Frucht, die recht geschmeidig daher kommt, das Holz ist hier eher plüschig wie bei einem sehr weichen Sherry, die Säure vermittelt dennoch Niederviskosität, allerdings würde ich mir in diesem Fall mehr Dichte wünschen. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, aber auch hier gibt's ein klares geschmackliches Loch, im Finale ploppt ein leichtes Teer-Bitterchen auf.

Der weiße Amistar ist nun anscheinend schon deutlich weiter gereift, als ich das vermutet hätte, die gegangene Frucht hinterläßt ein Loch, welches (noch?) nicht durch andere Aromen aufgefüllt werden konnte, bereits absteigend, würde ich meinen.

Wertung dieser "entkorkten" Flasche vom 12.05.2019: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Dann habe ich mir allerdings gedacht, daß der "Abstieg" schon recht extrem ist und mehr und mehr gemutmaßt, daß das TCA -auch wenn's durch die Folie soweit eliminiert wurde- in den sieben Jahren des Flaschenlebens wesentlich auf die Aromastoffe eingewirkt haben könnte. Deshalb habe ich dann noch eine weitere -zum Glück korkfreie- Flasche geöffnet:

Die Farbe ist ein sattes Goldgelb, etwas heller als bei der kontaminierten Flasche. In der Nase ein sehr dichter Gelbfruchtmix aus Pfirsich, Aprikose, Quitte, Khaki und Kaktusfeige, gepudert mit Beifuß und Oregano, leicht Waldhonig; das Holz zeigt sich wohltuend zurückhaltend mit Ledertasche und leicht Anis. Am Gaumen kommt dieser Fruchtmix aufgrund der deutlichen Säure recht fluffig wirkend daher, das Holz bietet hier auch etwas Teer und ein Camparibitterchen. Der Abgang ist über eine Minute lang, dabei herb-fruchtig mit erstarktem, aber angenehmen Bitterchen.

Wenn ich in den letzten Jahren mal von einem Korkschmecker heimgesucht wurde, dann immer bei Einzelflaschen; deshalb war das jetzt mal ganz lehrreich, den Vergleich mit einer Konterflasche zu haben, um zu sehen, was sich durch den TCA-Einfluß so alles verändern kann, auch wenn man den eigentlichen Korkmuff wegbekommt. In der Vergangenheit hat der Folientrick mehrfach ganz gut funktioniert, manchmal aber auch nicht. Platte Erkenntnis daraus: je jünger der Wein, desto größer der mögliche Erfolg des Folientricks; wenn das TCA zu lange Zeit hatte, in der Flasche "zu wüten", ist einfach "Hopfen und Malz verloren".

So ist der Unterschied also ziemlich deutlich, eine korkfreie Flasche ist demnach auch noch längst nicht auf dem absteigenden Ast. Allerdings habe ich heute dann doch nicht ganz so tief in die Punktekiste gegriffen wie beim letzten mal, war vielleicht auch meine Tagesform...
Trinkreife: trinken oder lagern
Link 1: https://ec1962.wordpress.com/2019/05/12/was-kraeftiges-aus-kaltern/
Link 2: -
Link 3: -
  Diese Verkostungsnotiz wurde bisher 220 mal abgerufen

Bilder:

 

Codes zur Veröffentlichung in Internet-Foren

Als Bilddatei für Internet-Foren (z.B. dasweinforum.de oder weinfreaks.de):


Einbindung als Text (forenunabhängig):


Veröffentlichung in facebook

Bitte einfach den Link aus der Adresszeile oder diesem Feld kopieren:





Kommentar zu dieser VKN schreiben:

Kommentare können nur von angemeldeten Benutzern erstellt werden !
Du kannst dich auf der Startseite anmelden bzw. kostenlos neu registrieren.
RSS      2004 - 2012 von Gerald Schuster, Advanced Technical Software :: e-mail: webmaster@verkostungsnotizen.net :: Datenschutzerklärung