Details zur Verkostungsnotiz Eintrag erstellt/geändert am 21.07.25 20:16

Bezeichnung: Silvaner - Thüngersheim [Johannisberg] "Rothlauf" - [trocken] - Große Lage - GG
Winzer/Produzent: Rudolf May
Land / Region: Deutschland - Franken
Lage: Johannisberg (Thüngersheim - Franken) (in weinlagen.info)
Jahrgang: 2019
Typ: Weißwein
Rebsorte: Silvaner
Alkohol (Vol.%): 13
Verschluss: Schraubverschluss
Weitere Angaben: AP 2152 012 20
Preis: 45 Euro je 0,75 l (im Handel) bei Edel & Faul - 19.12.2020
Bewertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25
Preis / Genuss: akzeptabel/angemessen
Autor/Verkoster: EThC
Verkostungsdatum: 21.07.2025
Eingetragen von: EThC ... geändert von EThC ... [Rückfrage zur VKN an EThC]
VKN im Detail: Im Glas ein leuchtendes Goldgelb mit Messingschimmer, für den Riechkolben gibt’s äußerst sekundäre, von einer schönen Reduktivität im rechten Maß umgebene, etheriklastige Agrumen -Pampelmuse, Zitrone und Ugli vorndran-, auf zweiter Ebene schwingen auch nicht ganz reife Kaktusfeige und Weinbergspfirsich mit, das Ganze ordentlich gestützt von wenigen, aber prägenden wie kantigen Auszügen von Pastinake und Sellerie. Am Gaumen sind es vor allem die genannten Wurzeln, die initial für eine ungemeine Spannung sorgen, die feine Reduktivität sowie die potente, jedoch nicht vorlaute Säure und noch dazu eine Kräutersalzspur wirken hier nochmals verstärkend; die Fruchtseite ist hier stark im Hintergrund und schwenkt etwas zur grüneren Seite hin, Limette und Pomelo sind führend, ein Hauch Zitronat blitzt auf, nach etwa zwei Stunden mit Luft zeigen sich aber auch vermehrt orangere Zitrusaromen; bodenseitig zeigt sich neben dem Salz eine assoziative Mischung aus gelöschtem Kalk mit etwas glättendem Talcum. Auch beim sehr langen Nachhall zeigt sich eine wunderbare Balance zwischen den etwas rabaukigeren Aromen (Salz, Wurzeln, Agrumenetherik) sowie der puffernden Seite, vor allem was die Steinchen angeht.

Vorweg: das ist aus meiner Sicht ein herausragender Silvaner aus der Nicht-Naturecke, klassisch ist das aber auch nicht, denn angesichts anderer Erlebnisse hinsichtlich der Einstufung von Weinen unterhalb der Qualitätsweinebene aufgrund von vermeintlichen Typizitätsmängeln wäre ich auch nicht verwundert gewesen, wenn hier nur „Landwein“ auf der Flasche gestanden hätte. Freut mich, daß es hier nicht so ist und die Prüfer dieses GG nicht ins bezeichnungsrechtliche Abseits gestellt haben. Denn bei aller kantiger Frische, die dieser Wein mitbringt, ist das ein sehr tiefgründiger, komplexer Wein, der für mich strukturell nahe der Perfektion steht.
Trinkreife: trinken oder lagern
Link 1: https://ec1962.wordpress.com/2025/07/21/qualitaet-ohne-typizitaet/
Link 2: -
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