Jadis 2005

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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Jadis
Prod.: Leon Barral
Reg.: Frankreich - Faugeres
Jahrgang: 2005
Typ: Rotwein
Rebsorte: Cuvée
Alkohol (Vol.%): 14
Preis: 22 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 16.01.2009
VKN-Details:
Hardcore-Ökos könnte Didier Barral beseelten Glanz ins Aug treiben.
Mit dem Pferd pflügt der Besitzer und Weinmacher des in der Languedoc-Appellation Faugères gelegen Gutes >Leon Barral< durch seinen Wingert, presst seine natürlichst gezogenen Reben nach Parzellen getrennt gehalten in einer Korbpresse aus dem 19. Jahrhundert und ist dem Vernehmen nach auch bis ins Letzte biodynamisch.

Wie er seine Weine nun vinifiziert wird in französischer Un-Sitte dem Endkunden vom Gut allerdings nicht verraten.
Ungeschwefelt sind sie und ihre Reben 35 bis an die 80 Jahre alt.
Eine Website betreibt Barral als Ansammlung von Fotoschnipseln. Im Handel finden sich diverse widersprüchliche Angaben auch über angestellten >Jadis< aus dem Jahr 2005, das in der Region gut bis sehr gutes Rotjahr war. Widersprüchlich sind auch Reaktionen auf Barrals Weine. Eine ganze Reihe Sterne-Restaurants Frankreichs führen sie jedenfalls. Auch die Platzierungen im >Hachette< der drei Weine lassen sich sehen, die Barral produziert auf seinem 15 Kilometer von Faugères gelegenem, 1993 gegründetem Gut, das zur Spitze der Appellation zählt.
Einsteiger der ausschließlich Roten ist der >Faugères<, Spitzenprodukt der >Valiniére<. Verkosteter >Jadis< hält den Mittelplatz. Nicht allein die Jahrgänge scheinen so konträr auszufallen, das sich fragen läßt, ob Kritiker und Händler wirklich über den gleichen Wein sprechen. Als bekannt für hochtouriges Schwärmen, schmeckt >Pinard de Picard< „kandierte Kirschen, Rauch, dunklen Tabak, weißen Trüffel“. Gary Vaynerchuk dagegen - der Mann scheint seinen TV-Amoks nach noch mehr als Wein sich Speed einzuverleiben - ergattert allen Ernstes und angetan „Sardinensaft“.

Auch den schmecke ich bei 16 Grad, im großen Glas undekantiert, und später auch nach notwendigem Dekantieren, noch immer nicht. Das Cuvée aus Mourvedre/ Syrah, sowie kleineren Anteilen Grenache und Carignan, leistet eine frische Nase. Frische zeichnet den Wein insgesamt aus. Ein Korb heller, saftiger Kirschen, reife Phenole und wie ein Bergquell erquickende Säure. Minerales trägt auch dazu bei die Zunge glöckchenwach zu halten. Der ausbalancierte Wein mittleren Körper mundet sauber ungefummelt. Nach Offengärung 23 Monate in von angesehenen Tonneliers gefertigten Franzbarriques erster bis dritter Belegung überprägten nicht mit Holz.

Auch Tag Zwo steht der Wein, bei zugelegter Spur an Tiefe. Mit dem Wein sollte man ausführlich die Geschmacksknospen umfluten. Zurückhaltende Finesse könnte sonst entgehen.
Und worin besteht Finesse, einem Begriff, mit dem auch beschönigend die Augenwischerei betrieben wird dünnblütigem Wein roter Farbe auf die Werbesprünge zu verhelfen? Finesse bewirkt diesem Fall das Mineralische. Noch ein so changierender Begriff. Bei Roten ist der zu oft Umschreibung für in Eisenfessel plump hinkendem, dahin oxidierendem Wein.
Beim >Jadis< hab ich es dabei zu belassen, anregend Minerales verwitterndem Schwarzschiefergrund zuschreiben zu wollen, in dem die Reben des >Jadis< wurzeln (um nicht etwa auf noch schieferem Gelände zu schlittern, über das gemeinhin gerne als „Terroir“ steil philosophiert wird).

92 Punkte an Tag Zwo.
Solowein.
Und doch: Als Essenbegleiter aufgrund der Struktur die beste Empfehlung. Wem 22 Euro für diese Funktion nicht zuviel sind, die im PL-Rahmen bleiben.

Lange Lagerfähigkeit mit Steigerungserwartungen wird von Kritik und Handel zugesprochen. Liefernder Händler sieht gar über 2035 hinaus.
Um die Jahrzehnte durchzustehen, hätte der >Jadis< besseren verdient als solch bröckelgefährdeten Korken auf dieser Flasche.
Trinkreife: trinken oder lagern