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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: La Testa Shiraz
Prod.: Classic McLaren Wines
Reg.: Australien - Mc Laren Vale
Jahrgang: 1999
Typ: Rotwein
Rebsorte: Shiraz
Alkohol (Vol.%): 14,5
Preis: 39 Euro (Abverkauf/Sonderangebot)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 26.10.2006
VKN-Details:
Obwohl sich Tonio De Lisio bescheiden als "Helfer der Natur" bezeichnet, gilt er allgemein als unverhohlen selbstbewusst, einigen sogar als Großtöner. Sei ihm für solchen Großwein verziehen. Die Sprache ist vom La Testa Shiraz 99, dem Spitzenprodukt der Top-Serie unter den dreien von Classic Mc Laren Wines, dessen Gesamtprogramm Halliday vier der fünf Sterne gibt.
96 eröffnete Mark Pickard den Betrieb, den De Lisio nach Jahren bei Hardys sobald übernahm. Für 2006 verzeichnet nach Landzukäufen das Unternehmen eine Produktion von 7100 12er Kisten. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte sich das Gut mit Investitionen von rund zehn Millionen Aussie-Talern von Hosentaschengröße zu einem substantiellen Betrieb - nicht zuletzt dank der 98+ Punkte Robert Parkers für den Erstling La Testa Shiraz. Damit war Classic McLaren Wines aus dem Stand in den Markt katapultiert. Über Nacht schoss der Preis des punktüberhäuften Weines von 50 auf 120 Aussie-Dollar End-VK. Rick "Torbwine", ein Fan dieses Shiraz, fand das reichlich überpreist, der dem Unternehmen zumindest in Punktevergabe reservierter begegnende Halliday sowieso.
Den 99ger La Testa Shiraz vinifizierte De Lisio noch selbst. Die Trauben stammen von 25 bis 30 Jahre alten unbewässerten, als hervorragende geltende Lagen auf Kalkstein liegenden Lehms in der unter maritimem Einfluss stehenden Okparinga Gorge-Region des McLaren Vales, das mit 1999 ein ordentliches Jahr hatte. Die gewohnheitsmäßig und gewünscht geringen Erträge fermentierten korbgepresst in offenen Gärbehältern. Nach 26 Monaten Fassreife in zu hundert Prozent neuen US- und französischen Eichenbarriques ruhte der La Testa fast ein Jahr auf der Flasche bevor seine Kleinauflage von 350 12er-Kisten in den Verkauf ging.
Für diesen Shiraz wurden noch komplette Fässer aus Frankreich importiert. Für neuere Ernten wird der Anteil französische Eiche in Australien zusammengefügt. Das hilft Kosten zu reduzieren, inzwischen notwendig, nicht nur weil im Barrique- Rausch in Australien für die französischen Fässchen erster Klasse die Preise bis umgerechnet 1000 Euro stiegen. Ansonsten soll es nach Aussagen De Lisios für den La Testa bei altem kompromisslosem und allemal handgemachtem Aufwand geblieben sein.
Als "Fast fertig!" bewirbt der deutsche Händler/Importeur den La Testa 99 jetzt als von 75 Euro auf 39 heruntergesetzte Offerte. Er meint damit nicht, der Wein sei perdu, sondern immer noch nicht bester Trinkform. Selbst bei mehrstündiger Belüftung mache er nicht weit genug auf zu der Zugänglichkeit, die er zu Anfang gehabt und in einigen Jahren wieder haben werde. Von dem so als in vorübergehenden Verschluss befindlich beschriebenen Wein ist Mondo-Eichelmann trotzdem so angetan, dass der ansonsten Sparsame in Ausgabe 29 ohne Bedenken (wie Halliday auch ) 96 Punkte herausrückte, von jugendlich dominanter Frucht sprechend, die auf Jungverkostung schließen lassen müsste.
Mit der Frage, was derart geehrter Wein wohl bieten möge, wenn er denn in volle Vinosität übergehen sollte, den La Testa in doch nicht gebändigter Neugier geöffnet. Bei 20 Grad undekantiert ins Glas gegeben, kommt starke Kaffeenase mit Schwarzfrucht und rauchiges Holz. Erster Antrunk: Sauer-/Süsskirsche geht hinzu, enorme Struktur, lebendige Säure, fest langer Abgang. Nach einstündigem Dekantieren, vorsichtig, da kleines Depot, mehrt sich das Geschmacksbild. Schwarzer Pfeffer dabei, Frucht wird gaumenfüllend präsenter. Kirschton nimmt als Süsskirsche zu, imponierend seriöse Tannine. Im langen Abgang vibriert ein Zederhauch.
Eleganter, zugleich fordernder Großwein. 95+ Punkte (derzeit).
Mit 75 Euro war der La Testa 99 deutlich auf Kaufunwillen gestoßen, in der Heimat umgehend, dann im Export auch. Bei Langtons gingen im August dieses Jahres Flaschen des 99ger für umgerechnet 22 Euro plus Kommission über den Tisch des Auktionators.
Schweizer wie deutscher Importeur machten jüngst deutliche Preisabschläge als Schlußverkauf. Sie führen diesen, nicht nur Kapitalmittel, sondern dazu kostspielige Lagergeduld fordernden Wein nicht mehr. De Lisio pflegt inzwischen auf Bodenhöhe mit >Quarryman< und >Classic McLaren Wines< zwei deutlich preiswertere und doch als gut geltende, teilweise auch hierzulande weiterhin erhältliche Linien. Selbst das Flaggschiff La Testa Shiraz aus dem heissen Jahr 2000, mit der Folge noch kleinerer Ernte, kostet den Endkunden umgerechnet inzwischen nur 38 Euro. Allerdings für uns etwas abgelegen ab Gut.
Kann ein Wein denn 79 Euro wert gewesen sein, sei aus Anlass des Preisabsturzes des La Testa gefragt, hinzu grundsätzlich, anbetracht noch vielfach teuerer vergorener Weintraubensäfte? Wie beliebig jeder Wein ( und jedes, und sei es Kunst-Werk): Der Marktpreis spiegelt nicht produktimmanente Qualitäten, sondern als erlöster platt nur die - dazu auch nur im jeweiligen Moment geleistete - Bereitschaft, ihn zu zahlen. Angesichts des gebotenen Trinkgenusses halte ich den reduzierten Preis des La Testa Shiraz 99 als nun angenehmst temperiert angemessen. In einer Schweizer Auktion gehobener Weine wurden im Dezember 2006 drei 99gerFlaschen zum Lotpreis zwischen umgerechnet 155 bis 193 Euro ausgerufen. Bei Langthons in Aussie-Land ist genau so eine Flasche zu fast selber Zeit für allen Ernstes 13 Euro dem glücklichen Bieter sozusagen unterm Hammer zugerutscht.
Nachtrunk Tag Zwei: Noch einen Tick besser, weil noch etwas weiter entfalteter. Dürfte also weitere Lagergeduld nicht unnütz sein.
Am Tag Drei: Solitärer Wein, nahe am Perfekten. Cote Rotie, nimm dich in Acht. 96 Punkte.
Verkostung: 4.5.2008: Dieser Wein ist ein Steher. Belüftung verhilft immer noch seine Klasse zu offenbaren. Kann als ausgerundet gelten. Dazu immer noch diamantklare Säure. Steht eigenständig französischem Spitzen-Syrah zur Seite. Lässt selbst Atheisten weingläubiger Art andächtig werden. 97 Punkte.
Trinkreife: trinken oder lagern