Stickleback red 2005

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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Stickleback red
Prod.: Heartland
Reg.: Australien - Sonstige
Jahrgang: 2005
Typ: Rotwein
Rebsorte: Cuvée
Alkohol (Vol.%): 14
Preis: 6,9 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 14.12.2007
VKN-Details:
Ben Glaetzer könnte jeden Abend mit überm kleinem Bäuchlein gefalteten Händen
bei aller 30jährigen Noch-Jugendlichkeit in sanfter Selbstgewissheit einer erfolgreichen Spitzenkraft an die Zimmerdecke auflächeln. Das 7-Weine-Portfolio des jungen Unternehmens Heartland (siehe Gut-Grunddaten unter VKN Heartland Shiraz 2004) findet beim Konsumenten solchen Anklang, das der Ausstoß seit Gründung 2002 auf schwindelnde Höhe von 80 000 12er-Kisten katapultierte. Grund darf bieten, das nicht lediglich sein Marketing exzellent , sondern das P/L-Verhältnis knorke ist, vom Basis-Wein bis in die Spitze. Was auch die Fachkritik anmerkt.

Zum Fundament zählt mit zechfreundlichen 6,90 Euro der Stickleback Red, der in Deutschland (Cent-Erbsenzählung muss in dieser Kategorie gestattet sein) um noch 25 Cent preiswerter, allerdings auch für arg proppere 8,89 zu finden ist.

Was steht für, wenn auch nicht Klimpergeld, so doch kleine Münze an? Ein Wein, den sich jeder clever kalkulierende Bistro-Gastronom mit vorhandener Berufsehre abgreifen sollte, sowie jedermann, der nach flüssigem Dank für eine kleine Gefälligkeit sucht, um ein Gehaltvolleres als immer Beaujolais Noveau zu verschenken.

2005 war laut Gut für die aus Limestone Coast und Langhorne Creek von vom Vinifizierer genau eingenordeten Weinbauern gelieferte Frucht dieses Cuvées (44 CabSauv/ 29 Shiraz/ 27 Grenache – im Vorjahr mehr CabSauv und Grenache) ein letzten Endes doch zufriedenstellendes Jahr, weil mit einerseits geringerem, andrerseits konzentrierterem Ertrag. Fünf Tage wurde fermentiert. Kühle Malo-Folgefermentierung fand bereits in französischer Barrique-Eiche, vierte Belegung mit 12 Monate Reifung statt, was 6,1 Säure, 1,2 Restzucker und 3.49 PH erbrachte, bevor es auf die Flasche wuppte.

Jupphei, den Schrauber auf, und ab, undekantiert, aber mit vorsichtshalber 15 Grad, ins nicht notwendigerweise große Glas, in dem sich der Violettrote jedoch nicht verliert, sondern flugs nette Fruchtigkeit der Nase zuführt, ohne das die sich dafür ins Glas bohren muss. Über die Zunge flaniert ein unkomplizierter Wein, dessen kaum bemerkbare Eiche dankenswert keinem Aufmotzen dient. Solid tanninwürziger, säurelebendiger Schoppen, dem der Abgang nicht wegbricht. Glaetzer auf dem Rücketikett: >Weich, rund, würzig>. Stimmig. Für erfahrungsgeprüfte Skeptiker: Eher rund, denn etwa weichlich. Und mal nicht hochnäsig werden: Nach einer halben Stunde an der Luft kommt da gut Dunkelfrucht hoch und der Wein schlendert nicht mehr, sondern rollt über die Papillen.

Ob auch zu Fisch passend wie an selber Stelle der Weinmacher meint? Aussies schaufeln sich im Schnitt, nun ja, gern rustikal zu Nennendes auf den möglichst großen Teller. Rote sind zu Fisch kein Tabu mehr, aber eher ist für diesen Wein an gegrillten Thun oder Red Snapper zu denken, wohl kaum an zart gedünstelte Forelle. Jedenfalls scheint Glaetzer das mit der Fischempfehlung ernst zu meinen, trägt der Wein doch ein Trio von Fisch-Silhouetten auf dem Frontetikett und heißt übersetzt >Stichling<. Der könnte am Stock über Glut geröstet passen. Soweit zur Essensempfehlung für diesen korrekten „Crowdpleaser“ von einiger, wenn auch nicht vielschichtiger Substanz, für dessen Equivalent man in Frankreich den einen Kilometer mehr in südliche Provinz vordringend Benzin aufbringen müsste.

88 Punkte, 89? 89 dann nach einer Stunde, ohne zu würfeln. Halliday gab zu nicht veröffentlichtem Zeitpunkt ohne Kommentar 86. Dem Folgejahrgang 2005 hat Parker runde 90 Punkte zugemessen mit der Bemerkung: >Sensationelles P/L-Verhältnis<. Wollen wir mal nicht mit so euphorisch sein, damit die Preise nicht steigen für einen, der Alltagswein werden könnte, für den jeder Gastgeber einstehen kann, handelt es sich nicht um hohe Festtage.

Lagerdauer: Auf was warten? Auch wenn der Händler bis über 2014 hinaus Trinkigkeit erhofft. Mal wetten, das bis dahin nicht, um eine Flasche seines vorzüglichen Black Panthers (VKN siehe dort) gegen eine satte Blues-CD gleicher Güte.

Achtung, Fahrzeuglenker: 14 Prozent Alkohol bleiben gefährlich unauffällig. Bei dem Preis sollte aber ein Liegetaxi drin sein.

15.12.2007: Dass ein Wein dieser Preiskategorie am zweiten Tag noch unbeeindruckt Stand zeigt, ist nicht selbstverständlich, dass er sogar zulegt, selten.
Der Cabernet hat sich im Cuvéebild etwas hervorgeschoben, womit der Körper sich gestraffter gibt. 89+. Glaetzers Hinweis, jedem, auch den einfachen unter seiner Weinen, helfe ausführliche Luftzufuhr das ganze Format zu zeigen, scheint nicht aus der Luft gegriffen.
Trinkreife: jetzt trinken