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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: The Howling Dog
Prod.: Massena
Reg.: Australien - Barossa Valley
Jahrgang: 2005
Typ: Rotwein
Rebsorte: Durif
Alkohol (Vol.%): 14,5
Preis: 29,9 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 17.11.2007
VKN-Details:
2000 gegründetes Barossa-Gut Massena (Guts-Grunddaten unter The Eleventh Shiraz 2005) präsentiert bisher nur vier Weine, zwei davon jetzt erstmals in Deutschland erhältlich. Die beiden jungen Eigentümer und Weinmacher Collins&Standish experimentieren auf der Suche nach weiteren interessanten Produkten nebenher aber gerne mit in Australien seltenen Trauben wie Saperavi, Tannat und Primitivo.
Rare Sorte, in Frankreich fast ausgestorben, ist für den angestellten >Howling Dog< verwendete Durif,. Laut Wikipedia nach des Ampelographen Galets Trauben-Bibel >Dictionnaire enyclopédique des cépages< selektionierte und vermehrte um das Jahr 1888 der französische Landarzt Dr. Francois Durif vermeintliche Sämlinge der Sorte Peloursin. 1999 ergaben Genanalysen, die nach dem Arzt benannte Sorte ist von Peloursin und Syrah eine Spontankreuzung. Die läuft in Übersee fälschlicherweise gelegentlich immer noch unter Petite Syrah, obwohl 2003 DNA-Tests zweifellos ergaben, dass in Kalifornien, von wo aus sich die Traube in Übersee verbreitete, mit dem Namen Petite Sirah bezeichnete Reben identisch mit Durif sind. Auf weltweit 3000 Hektar nur wird der Bestand geschätzt. Der aber Übersee aufgrund zunehmenden Anbauerfolges sich so erweitert, dass es Durifs neue Heimat genannt werden kann.
Jancis Robinson fertig Durif, in ihrem ansonsten verdienstvollem Trauben-Lexikon als ausdruckslose Traube bezeichnet, kurz ab. Dagegen ist der >Howling Dog< Beleg, dass diese Sorte zu denen der verkannten gehörte, weil ausdruckslose Vinifikation ihr Potential lange nicht hervorzubringen verstand.
Massenas Credo: Gehaltvolle Weine, warm und generös, Barossa-Stil getreu. Durif ist seit einiger Zeit Traubenfavorit des Hauses wegen seiner Farbtiefe, Frucht schweren Geschmacks und charakteristischem Rückgrat üppiger Tannine.
Kritiken gelesen, erwartet man in Massenas „Heulender Hund“ einen ungebärdiges Höllentier an Weinmonster von selbst das große Glas sprengender Massivität. Torbwine über diesen 2005er, der ihm imponiert, mit als Highly Recommended anerkennend: „Riesenbastard“. Halliday spricht (über 2004) von monolitischem Wein, der ihn an Chambourcin on steroids erinnert und reagiert verstört wie Oberin Ignocentia, die von über Klostermauer gehüpften, halbnackten Tarzan lendengreiflich belästigt zu werden fürchtet.
Dabei ist der Kritiker-Guru Aussie-Lands aus seiner Heimat doch Einiges an Powerwein gewohnt, selbst wenn seine heimliche, auf Feinsinnigkeit deutende Liebe neuseeländischem Pinot Noir gehört.
Was steht nun, trotz derartiger Vorwarnung erst mal undekantiert getraut, bei 18 Grad im großen Glas aus einem guten Barossa-Jahr?: Ein undurchdringlich schwarzer Wein, der nicht losheult, sondern fast schon zu gesittet der Nase etwas, leicht pfeffernde Minze nur als Visitenkarte reicht . Am Gaumen dann geht’s zur Sache mit einem über den ganzen Gaumen tief tönenden Paukenschlag von Schwarzkirsche, Brombeere – und einer Fülle, jedoch zivilisierter
Tannine, plus nahezu zurückhaltender Säure, plus eisenerdig mineralischem Unterton. So voluminös ist der Wein, das man meinen könnte, sie haben Fruchtfleisch mit in die Flasche gegeben, bei dieser cremigen Textur, deren Hülle den Gaumen wie eine milchschokoartige Glasur fast zu kuschelig balsamiert. Aber weichlicher Päppel-Moppel ist das nicht. Das ist ein geschliffener Brocken von Wein, erdhaft und zugleich kultiviert zu jetzigem Zeitpunkt. Und, bravo, auf Eiche wurde hier nicht herumgetrommelt, sondern der Wein für 18 Monate in alten französischen Hogheads in Ruhe gelassen, ohne ihn mit US-Vanille zu penetrieren. Standish sagt, sechs Jahre Erfahrung habe es gebraucht, um die Tannine des „Heulenden Hundes“ zu zähmen, indem nach 14tägiger Fermentierung der Most 38 Tage auf den Hülsen verblieb. Wahrhaft nicht zur Maximalausbeute von Farbe, die wie einen Rubin in öligen Schlieren das Glas leuchten lässt, aus dem noch nach dem Leeren für Minuten nach dem wunderbaren Längstabgang Vollaroma nur so strömt.
Parker, 93 Punkte im Oktober 2006: „ (...) kann leicht mit den
besten Großen von Ridge oder Turley Vineyards mithalten“, US-Durif-Monumenten.
Eine eindrucksvolles Erlebnis ist damit längst nicht am Ende: Tag Zwo lockt die Nase ein Duft von Zigarrenbox, Eisenerde, vor allem aber jetzt Blaubeere, die ihrer Intensität wegen als likörig bezeichnet nicht als süßklebrig assoziiert sein darf. Am Gaumen wunderbarst reife Blaubeere pur, beschwingt von 14,5 Prozent Alkohol. Oxidation bedeutete für diesen Nektar von Wein nicht Verfall selbst Tag Vier, zu dem die genannte „Glasur“ sich ohne mein Bedauern längst fortempfohlen hat, womit der Wein reintönig geworden blieb, die Säure allerdings recht brav wurde. Wieso zitierte überseeische Kritiker crispe Säure zu bedenken geben, dürfte zu jetzigem Verkostungszeitpunkt auch bei undekantiertem Verzehr selbst Aziditätempfindlichsten unter europäischen Trinkern ein Rätsel sein.
95 Punkte, mit einem + bereits inkludiert für das erfreuliche Kennen lernen einer meiner Zunge bisher unbekannten Traube, die von den Massena-Boys zu einem markanten Weinprofil von einer Dichte gearbeitet wurde, die in Europa nur ein Spitzenpassito erreichen kann. Gar nichts für Leute, die gelegentlich an einem Gläschen Primeur suckeln, um nicht stetig mit Limonade die Hängelippe feucht zu halten.
Essensempfehlung: Wie denn, für einen Wein, den man nahezu mit der Gabel löffeln kann?
Lagerdauer? Parker empfiehlt den 2005er für 4-5 Jahre im Keller zu vergessen und dann die nächsten zwei Jahrzehnte zu beobachten. Halliday gesteht unverholen auch dazu Ratlosigkeit, indem er fragt: „Soll ich als best-by-date 2014 der 2024 sagen? Ich weiß es nicht.“
Mit 35 Aussie-Dollar ist der Durif „teuerster“ Wein des Massena-Portfolios, umgerechnet erstaunlich geringe 21 Euro. Über zwei verteuernde Zwischenimportstationen landet er in Deutschland auf - vergleichsweise - hohem Preisplateau mit 29,90 Euro. Die soll er aber beherzten Trinkern unbedingt wert sein, die neuen Herausforderungen eines erstmals hierzulande erhältlichen Gipfelweins gegenüber aufgeschlossen sind.
Trinkreife: trinken oder lagern