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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: The eleventh hour shiraz
Prod.: Massena
Reg.: Australien - Barossa Valley
Jahrgang: 2005
Typ: Rotwein
Rebsorte: Shiraz
Alkohol (Vol.%): 14,5
Preis: 39 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 6.11.2007
VKN-Details:
Massena, kleines, erst 2000 gegründetes Barossa-Gut, kommt mit seinen
Weinen groß an. Der 3000 12erKisten-Betrieb ist Co-Unternehmung der jungen Weinmacher Jaysen Collins und Dan Standish. Letzterem (übrigens auch assistent
winemaker bei Torbreck) in seinem eigenem Gut nach ihm benannte Shiraz sind sogar beständig ausgesprochene Punkte-Darlings internationaler Weinkritik und dementsprechend preisintensiv. Das Duo ist Mitglied der jüngst gegründeten Artisans of Barossa-Gilde, dem Furore machendem Zusammenschluss junger Weinmacher, die sich bei allem Uni-Können traditionellen Weinbau- und Vinifizierungstechniken verpflichtet sehen zur Erzeugung regionstypischer Charakterweine. (Siehe auch VKNs Schwarz, Kalleske)
Vier Weine bietet Massena. Aus den nordwestlichen Gegenden Greenock, Kalima und Koonunga Hill liefern die Frucht Vertragswinzer, die Trockenanbau und niedrig gehaltenen Ertrag zusagen. Alle Massena-Weine reifen korbgepresst offen fermentiert in Fässern französischer Eiche, plus variierendem Anteil neuer französischer Barriques. Jede Wingert- Sektion wird getrennt geerntet und ausgebaut und erst zum Schluss zum Blending zusammengeführt.
Dieser Shiraz des ausgezeichneten Barossa-Jahrs 2005 stammt aus Greenock von sechzig Jahre alten Reben. Als grad noch Restbestand wurden sie von Standish und Collins in hartnäckigen Verhandlungen bewahrt vor Bulldozern, die bereits weitgehend ihr Zerstörungswerk vollendet hatten. Das Areal mit extrem niedrigem Ertrag brachte exzellente Frucht. Die mit angemessenem Preis zu honorieren, fand sich aber niemand mehr. Weil in letzter Minute gerettet, erhielt der Traubenschatz als vinifiziert den Namen „The eleventh hour“. 18 Monate lag der Wein in französischer Eiche, davon fünf Prozent neue Barriques.
Bei 18 Grad im großen Glas überrascht der 100prozentige, fast schwarztintefarbene Shiraz undekantiert durch zwei Dinge: Einerseits der Nase sich reserviert gebend, andrerseits am Gaumen schon nahezu total trinkwillig. Der ausdefinierte, gehaltvolle Körper bietet bei schmeichelndem, aber nicht etwa schmeichlerischem Mundgefühl sauberste Dunkelfrucht, einen Mokkaspritzer, Dunkelschoko, milde Süße, fast zurückhaltende, aber passende Bestsäure, seriöse Langtannine und einen so lang anhaltenden Abgang, das er Statistikfreaks zum Griff zur Stoppuhr verführen mag. Stolze 14,5 Prozent? Sind so einem stolzen Wein angemessen wie maßgeschneiderter Saffianleder-Handschuh. Insgesamt eine mit Fingerspitzengefühl rhoneorientiert dirigierte Komposition, nicht nur was die ebenso feine wie fein eingepasste Eiche betrifft. Nach mehrstündigem Dekantieren schließt sich der Wein dann auch der Nase auf zu Schwarzkirsch-Brombeerduft.
Auch Tag Zwei hat der „Eleventh“ seinen Stand. Wein, der mit abzusehendem Lagerpotential auf Perfektstatus zustreben könnte. Parker schätzt eine Steigerung auf bis zu 20 Jahren, spricht von einem Wein, der alle Anzeichen habe, Klassiker der Jetztzeit zu werden.
Vorsichtig angesetzte 95 Punkte mit Erwartungs+ für diesen Intensität und elegante Reinheit vereinenden Wein.
Parker überraschte im Oktober 2006 mit 96 Punkten insofern, da er ansonsten Prädikate solcher Höhe zarte Gemüter eher als KO-Tropfen verschreckenden Wuchtweinen vorbehält.
P/L-Verhältnis des über verteuerenden Zwischenimport erstmals in Deutschland erhältlichen Weins geht mit 39 Euro so durch, auch wenn er in den USA schon ab 40 Dollar erhältlich ist und ab Gut sogar nur umgerechnet unglaublich geringe 19 Euro kostet. Andrerseits sind von etablierten Ikonen selbst bei geringerer Punktzahl die meisten zu solchem Preis nie mehr auch nur im Herstellungsland zu erwerben und schon gar nicht hierzulande. Und wer teuren Torbreck liebt, kommt mit diesem Wein trotz allem geradezu günstig davon.
Essensempfehlung: Kategorisches Njet, zählt man nicht zur Spezie der Kleinen-Raupe-Nimmersatt. Die Aufmerksamkeit sollte ausschließlich diesem Wein gewidmet sein, der selbst ein gehaltvolles Spitzenmenü darstellt.
PS: Wer immer noch von australischem Wein als Marmelade daherredet, dem seien die Produkte der Artisans of Barossa stellvertetend genannt an die Zunge gelegt, um endlich sich ein Loch in der Vorurteils-Mauer für Durchblick zu verschaffen; reichlich verspäteten, angesichts dessen was über die Jahre in Australien sich alles tat. Soviel, das der zwar immer noch wie eine Nationalflagge tapfer aufrecht gehaltene Grange von Penfolds de facto nicht mehr Maß aller Dinge ist. Das ansignalisiert inzwischen konstant die Bewertung hinzugekommener Großweine, die nicht mehr Prallfrucht-Boliden sein müssen, um deren gleich Anerkennung (oder Ablehnung) zu finden. Und wer australische Supermarkt-Flüssigvanille weiterhin als OZ-Standard borniert missverstehen will, hätte auch französischen Supermarkt-Bordeauxessig als exemplarisch zu nehmen.
Außerdem und gar nicht letztlich, Parkers neuer Aussie-Verkoster Jay Miller jüngst: Drei Länder bieten im Weltvergleich deutlich ausnehmend gutes P/L-Verhältnis: Australien, Argentinien, Spanien. Tschawoll, wenn er auch Portugal hätte hinzunehmen sollen. Ende der Durchsage.
Doch noch ein PS: Just hat Torbwines unbestechlicher Einstein in seinem neuen Tour-Diaries-Report diesen 2005er "Eleventh" als Highly Recommended eingestuft mit dem anerkennenden Kommentar: "(...) completely hitting every taste bud".
Trinkreife: trinken oder lagern