Lindis River Pinot Noir 2004

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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Lindis River Pinot Noir
Prod.: Lindis River
Reg.: Neuseeland - Central Otago
Jahrgang: 2004
Typ: Rotwein
Rebsorte: Pinot noir
Alkohol (Vol.%): 13
Preis: 19,9 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 17.10.2007
VKN-Details:
Beim Bunte-Reihe-Trinken von Pinot Noirs aus fünf Ländern in der Preisklasse zwischen 9 und 20 Euro ragten aus dem Zufallsbild zwei Neuseeländer hervor. Der eine überraschend, Main Divide 2006 (VKN, siehe dort). Der andere dieser angestellte Lindis River 2004.

Der, obwohl Neuling, war keine Überraschung, weil Spezialisten-Trinkern bekannt, seitdem dem er - das allerdings doch überraschend - als „Nobody-Newcomer“ auf Anhieb Platz Drei belegte bei der alljährlichen Blindverkostung aller Weinmacher der Südhälfte Neuseelands. In der fühlt die im Burgund sich kapriziös verhaltende Traube sich so wohl, das sie eine zweite Heimat gefunden hat, die Weine hervorbringt von inzwischen weinweltweiter Beachtung.

Das Gut Lindis River ist in Central Otago beheimatet, der am schnellsten wachsenden Weinregion Neuseelands, in der sich 1864 die erste Winzerei etablierte. Anfang des 20.Jahrhunderts starb dort der Weinbau allerdings nahezu aus bis zu neuen erfolgreichen Züchtversuchen der60ger.

Besitzer von Lindis River ist der deutschstämmige Jurist Holger Reinecke. Im Jahr
2000 stieg er um, kaufte in kühlerer Gegend des nördlichen Central Otaga zwölf weingeeignete Hektar, von denen er auf sandigem Lehm 3,5 bepflanzte, ausschließlich Pinot Noir mit einer in Otago einmaligen Stockzahldichte zwischen 6000 bis 10 000 pro Hektar, um gegenüber Regionsschnitt halbierten und somit Qualitätsertrag anzustreben.

Ausgerechnet die Erstlings-Ernte 2004 erfolgte in einem schwierigen Jahr mit Frühlingsfrost, den es in Central Otago seit 20 Jahren nicht gegeben hatte. Mit obendrauf noch Herbstfrost, Bedingungen, die einige Reben der aus Frankreich importierten Clone sogar total schädigte. Umso noch erstaunlicher das Ergebnis des minimalsten Ertrags: ein seidiger, burgundisch orientierter Pinot der Oberklasse.

Die ausschließlich aus eigenen, organisch gepflegten und, falls notwendig, minimal bewässerten Lagen handge- und verlesene Frucht wurde nur zu 85 Prozent entrappt und leicht gemahlen. Die Fermentierung fand in offenem Stahl als spontane mit weinbergseigenen Hefen statt. Der Hut wurde per hand untergetaucht und verblieb nach der Erstgärung für einige Zeit kühl auf dem Most. Ausbau erfolgte zehn Monate in Allier-Barriques, 40 Prozent davon neu, 60 zweite Belegung. Die verschiedenen Partien ruhten darauf zum Blend zusammengeführt einen weiteren Monat. Eiweissgeklärt kam der Wein auf die Flasche.

Bei 17 Grad im großen Glas zwei Stunden dekantiert, gibt der (für farbstarke Übersee-Verhältnisse) Mittelrote an die Nase einen schon reifen Duft von dunklen Waldfrüchten und Mandelhauch ab. Am Gaumen sauberst definierte Schwarzkirsche und etwas, dunkle Jo-Beere. Zu seidig schlanker Eleganz von einiger Tiefe tragen feine Tannine und ebenso feine Säure hinzu, sowie angemessen moderate 13 Prozent Alkohol. Als Charakterbeigabe schmecken Kräuterwürze und überseemineralischer Boden sanft mit. Der Wein ist schon gut zu trinken, bringt jedoch am folgenden Tag noch gesteigerten Genuss, 92 Punkte mit einem + für Erwartung einer Entwicklung wert, die laut Handel 5 bis 8 Jahre betragen werde. Fachkritiker Michael Cooper gab im Winestate-Magazin viereinhalb Punkte, womit die Händlerbewertung von 93+Punkten korrespondieren dürfte.

Der 2005er soll laut Kiwi-Kritiken volleren Körper aufweisen, obwohl Sturm und Regen auch diese Ernte so beeinträchtigten, dass Lindis River nur zirka die Hälfte erhoffter Frucht einbringen konnte.

PL-Verhältnis, gemessen an Burgund, mehr als gut. Der von Parker noch
nicht entdeckte Wein kostet ab Hoftür umgerechnet 18,45 Euro. Womit 19,90 im Probierpaket für hierzulande sogar als außerordentlich honorig gelten darf, selbst wenn als Einzelflasche bestellt 22,90 Euro anstehen.

Essensempfehlung: Nicht zu kühn gewürzter Lammbraten. Auch durchaus Solist.
Trinkreife: trinken oder lagern