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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Pinot Noir
Prod.: Main Divide
Reg.: Neuseeland - Marlborough
Jahrgang: 2006
Typ: Rotwein
Rebsorte: Pinot noir
Alkohol (Vol.%): 14,5
Preis: 15,9 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 17.10.2007
VKN-Details:
Die Bitte lautete: Bunte Reihe zusammenstellen von Pinot Noirs, die nicht über 20 Euro kosten. Zusammen kamen neun Weine aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Australien und Neuseeland. Vor allem im Burgund kennen Pinot Noirs in ihrer preislichen Spitze keine Scham. Die empfindliche Traube erfordert anspruchsvolle Pflege und ist diffizil zu vinifizieren. Sie kann in burgundisch wetterwendischen Zeiten zu saftlosen Katastrophen-Jahrgängen verünglücken, für die noch immer saftige Preise verlangt werden.
Mal scheinnaiv zwischengefragt: Warum soll das Risiko honoriert werden, wenn jemand unter schwierigen Umständen Freiland-Ananas züchtet, die erlaubt, und fast notorisch genutzt, aufgezuckert werden muss - oder wie der Franzose für seinen Wein nobel umschreibt - chapitalisiert wird? Antwort: Weil in geglückten Jahren Burgunds eben doch große Weine herauskommen können.
Bei der 20 Euro-Grenzmarke waren Spitzenweine also nicht zu erwarten. Aus dem Zufallsbild von Ländern, Jahrgängen und der Spanne zwischen 7,50 bis 20 Euro ragten zwei Weine deutlich heraus: Neuseeländer. Die große Überraschung: der Main Divide 2006, im Handel erhältlich als zwischen 15,90 und 20 Euro oszillierend. Die andere war keine, weil der Wein zumindest unter Spezialisten bereits Renommée bekommen hat: Lindis River 2004 (dessen VKN, siehe dort).
Unter deutschen Übersee-Trinkern hat sich herumgesprochen, das die Kiwis gute Weine zu produzieren wissen, vorneweg Sauvignons, dichtauf PNs und Chardonnays. Nur sind sie im deutschsprachigen Handel noch nicht einmal an jeder zehnten Ecke erhältlich.
Bei allerdings immer schneller zunehmender Zahl wies das Land 2005 grad einmal 516 lizensierte Winzerbetriebe und zusätzlich 825 Züchter auf. In der landesführenden, kühleren, mediterran bestimmten südlichen Malborough-Region (rund 100 Winzerbetriebe und über 400 Winegrower), aus der dieser Main Divide stammt, besteht eine Weinbautradition seit 1873, als die Pioniere David Herd und Charles Emson die ersten Reben setzten. Gemächlich ernst wurde es mit dem professionellen Weinbau ab 1973, wesentlich beeinflusst durch den Geisenheimer Professor Dr. Helmut Becker, der Müller-Thurgau favorisierte, heute weitgehend ersetzt durch französische Clone. Die Region ist derweil als für den Weinbau so günstig ausgewiesen, dass sich dort unter anderem das australische Penfolds eingekauft hat.
Seit 2007 ist Gesetz, daß der Wein als sortenrein angegeben inländisch verzehrt 85 Prozent davon und für den Europa-Export 100 Prozent zu enthalten hat.
Was ist nun die Überraschung des Main Divide 2006? Der aus einem Super-Jahrgang stammende Wein ist ein Mundfüller besten Sinnes, der einer eingefleischten Liebhaberin von Aussie-Shiraz vorübergehend die Skepsis gegenüber Pinot Noir vergessen lässt, die (abgesehenen vom Preisniveau) auch darin besteht, das Dünnblütiges dieser Sorte vom Handel gerne als „feminin“ salviert wird, was auch über das Frauenbild des Handels grübeln lässt.
Der gegenüber des Flaggschiff-Pinot Noirs des Hauses halb so teure Main Divide 2006 des Sieben-Sorten-Programmes des Gutes ist aber nicht bloß ein Maul voll
Wein, sondern hat Mehrschichtiges.
Die auf den nahe der Bergkette der Southern Alps auf lehmigen Hügeln des Canterbury-Gebiets von im Schnitt 15 Jahre alter Reben zugelieferte organisch angebaute Frucht der Vertragszüchter vinifiziert die Donaldson-Familie in ihrer in Waipara beheimateten Winzerei. Handgeerntet und -verlesen, burgundorientierte Verfahren, ungemahlen abgepresst, bei per hand untergetauchtem Hut in offenen Bottichen spontanvergoren mit weinbergseigenen Hefen, 12 bis 18 Monate französische Barriques erster und zweiter Belegung, nach einem Jahr ungefilterter Blend durch die Weinmacher Lynnette Hudson und Matthew Donaldson.
Die ersten Stunden bietet der mittelrote Jungfuchs bei 18 Grad im großen Glas der Nase nur etwas grad mal leicht Himbeeriges und der Gaumen wird von Säure besetzt. Durchaus einer guten. Die liegt aber so drauf, dass selbst bei konzentriertem Kauen Tiefe sich nur erspekulieren ließe. Spannende Entfaltung bis zu Tag Zwei. Schließlich: Schwarzkirsche, Hauch Feinmarzipan, schönes Säurespiel, Tannine, im Begriff schon geschliffen aufzutreten, Herbstwald, leichter Toastrauch, abgehangenes Wildfleisch – und dieser rundende, wunderbare australisch/neuseeländisch spezifische Ton erdiger Mineralien. Harmonische und gute Länge bei eindrucksvollem Mittelgaumen. Mit 14,5 bestens verträglichen Prozenten hat der Wein das Glück, kein 15-Prozenter zu sein. Denn ab 15 ist drüben höhere Alk-Steuer zu entrichten.
Der Händler gibt 90+Punkte, das neuseeländische Cuisine Magazine vier Sterne, ich, für Tag Zwei, derzeit 91 Punkte mit deutlichem Erwartungs+.
Ordentlicher Pinot Noir kann bekanntlich lange lagern. Dieser dürfte das eine oder andere Jahr noch im Keller verbleiben, um sein ganzes Potential offen zu legen. Wer jetzt ihn trinken will: Der Händler rät dringend an, mindestens zwei Stunden zu dekantieren. Knapp bemessen. Denn am zweiten Tag erst kündigte wie beschrieben der Wein an, dann aber auch mit vollem Geruch, was in ihm jetzt schon alles steckt.
Von Parker zum Kundenglück bisher noch nicht zur Kenntnis genommen.
P/L-Verhältnis nach Burgunder-Kriterien mit 15,90 somit noch angenehm.
Essensempfehlung: Gegrilltes Kalbskotelett mit Kartoffel/Selleriemus war angemessener Partner. Aber durchaus auch Solo-Wein.
Trinkreife: trinken oder lagern