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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Greenock Shiraz
Prod.: Kalleske
Reg.: Australien - Barossa Valley
Jahrgang: 2005
Typ: Rotwein
Rebsorte: Shiraz
Alkohol (Vol.%): 15,5
Preis: 33 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 16.09.2007
VKN-Details:
Anlass blanker Trinkfreude ist ein erstmals in Deutschland erhältlicher Wein Kalleskes, dem 5000-12er-Kisten kleinem Familien-Gut, das von Halliday in seinem Companion 2008 alle fünf Sterne erhält.
Seit 1867 bauen in nun 6. Generation Kalleskes Wein an. Aber erst 1999 vinifizierten John und Lorrraine Kalleske versuchsweise eine Kleinpartie. Der sofortige Erfolg führte zum Bau eigenen Kellers, den Sohn Troy verantwortet.
Die verarbeitete Frucht stammt von Stöcken eines Durchschnittsalters von 50 Jahren.
„Wir arbeiten per Hand in der Absicht minimalistischer Eingriffe“, sagen Kalleskes. So mancher will dass, aber Kalleskes kann man es glauben. Weite Teile der Lagen sind als bio-organisch zertifiziert, das Traubengut des anstehenden Greenock Shiraz aus dem qualitativ gutem Jahr 2005 vollständig. Für den 100prozentigen Shiraz wird ausschließlich Frucht einer Einzellage am westlichen Ende des Greenock Creek verwendet, die magere Böden sandigen Lehms auf Kalk und rotem Ton aufweist.
Der Most dieses Weines gärte offen bei einer Temperatur bis zu 30 Grad, lag sieben Tage auf den Hülsen, fermentierte in Fässern und reifte vorsichtig korbegepresst in, 20 Prozent davon neu, US- und französischer Eiche von Hogshead-Größe über eine Zeit von 18 Monaten, bevor der Wein als 15,5 Prozenter (tatsächlich sind es fast 16) auf die Flasche kam.
Mehr rotschwarz als schwarzrot steht der opake Wein mit 18 Grad im großen Glas und gibt undekantiert kaum Duft frei, der aber edel mit Minzspur. Vier Stunden Dekantieren empfiehlt der Händler. Wer sich deutlich länger geduldet, hat an Tag Zwei bereits jetzt ein großes Getränk auf der Zunge, Der schlafende Jung-Riese muss auch dann noch mit Durchkauen wachgerüttelt werden. Die Bestandteile des Vollkörpers, dessen wunderbare Frucht vor allem von eingeweckten (aber nicht etwa dörrportigen) Schattenmorellen bestimmt ist, erschließt sich erst beim durch die Zähne schleifen. Dieser extraktreiche Wein verdient lange im Mund gewendet zu werden, bevor man ihn der Kehle freigibt.
Große Würze mit Pfefferton, Lakritz, Bitterschoko, perfekt eingepasste Eiche, vibrierende Säure, angenehme, leichte Adstringenz, beträchtliche Tannine in Fülle, imponierend auch der Abgang. Ein Wein für Trinker, deren Beaujolais Primeur-Phase des längeren Vergangenheit ist. Big Barossa. Und Big aus der Gegend bedeutet: Plätschertrinker sollten sich anschnallen.
Der Greenock lässt nicht vermuten, von einem noch jungen Winzer hergestellt zu sein. Der zu der Gilde Artisans of Barossa gehörende Rolf-Binder-Schüler Troy Kalleske hat einen Wein in bester Barossa-Tradition komponiert, aber mit dem Dreh auch französischer Eiche.Sonst könnte man meinen, ein alter Winzer, der mit dem Rücken zu Trends steht, geht hier unbeirrbar seinen Weg.
Halliday honoriert das im grad erschienen Companion 2008 mit 94 Punkten für den Greenock 2005. Parker gab im Oktober 2006 94 bis 96 Punkte. Spannweite scheint angeraten. Denn mit dem Teufel müsste es zugehen, legt dieser Wein bei Flaschenlagerung über Jahre nicht noch zu. Zumal geöffnet an Tag Drei er sich zugänglich, ja poliert erweist mit hinzugetretener seidenfeiner Süße und Mandelhauch, ohne an Rückgrat verloren zu haben. Obendrauf gibt’s fürs Warten zur Belohnung eine verführerische Nase von Dunkelfrucht und Kakaopuder.
94-96 (+?) Punkte.
Essensempfehlung: Keinesfalls. Solch einem dichten Wein ist sich nur solo zu nähern.
Winestate gab im März 2007 viereinhalb von fünf Sternen. Mattison händigt 93 Punkte aus und zählt diesen 2005er in der neusten Ausgabe zu den 101-Top-Redwines 2007. Der für Bodenhaftung respektierte Rick Einstein schwärmt geradezu und sprach seine "Exzellent"-Empfehlung im November 2006 aus. Winoramas Gary Walsh gleichen Monats: 92 Punkte; mehr nicht, weil sich nicht sicher, ob der hohe Alkoholgehalt das Geschmacksbild ein wenig überfärbe. Eine Anmerkung, die sich ähnlich in einigen unter den durchweg positiven Kritiken aus 2006 findet. So was kann einem Gedulds-Wein im früh-eiligen Kritiker-Trinkgeschäft widerfahren.
In Kalleskes Acht-Weine-Programm kostet der Greenock Creek weniger als die Hälfte des Flaggschiffs Johann Georg Shiraz. Von 2004 auf 2005 erhöhte der im Herbst 2006 vom australischen Sommelier-Magazin unter Australiens Top-20 gewählte Betrieb für den Greenock um vier auf 40 Aussie-Dollar ab Gut. Dort ist er längst ausverkauft. Im Aussie-Einzelhandel wird ebenfalls ab 40 genommen. In Deutschland kostet er 33 Euro. Der Aussie-Preis ist an der Qualität gemessen fast Schnäppchen. Der deutsche kann insofern als in Ordnung durchgewunken werden.
Trinkreife: trinken oder lagern