Georgias Paddock 1999

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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Georgias Paddock
Prod.: Jasper Hill
Reg.: Australien - Heathcote
Jahrgang: 1999
Typ: Rotwein
Rebsorte: Shiraz
Alkohol (Vol.%): 15,5
Preis: 45 Euro (im Handel)
Bewertung:
Autor: eike
Verk.-Datum: 14.06.2006
VKN-Details:
Ron Laughton stellt auf seinem von Halliday mit allen fünf Sternen ausgezeichnetem 23-Hektar-Gut Jasper Hill seit 1975 Wein her. Und das von Anfang an im organischen Anbau mit aus dem Stand hoher und konstanter Qualität. Sein Credo: Im Wein muß die Erde sprechen. Laughton schwört auf minimale Eingriffe im Weinberg wie im Keller. (Wenn auch hin und wieder australienüblich doch aufgesäuert werden muß). Kein Sommerschnitt, nur wilde weinbergeigene Hefen, Spontanvergärung in neuem und älterem französischem, sowie US-Barrique.

Prominenz erreichte Laughton mit seinen zwei Roten Emilys Paddock und Georgias Paddock. Der erste mit schlankerer Frucht, auch durch den Zusatz von 15 Prozent Cabernet Franc zum Shiraz. Der Georgias ist reiner Shiraz und ergibt das kleine Maximum von 3000 Kisten, die jeweils vom Fleck weg ausverkauft sind. Beide Weine sind in Victorias Heathcote-Region auf stark kieselhaltigen, roten Lehmböden unter sengender Sonne zuhause, einer Gegend, in der die Reben unbewässert im Existenzkampf ihre Stärke beweisen müssen.

Den 99ger bezeichnet Laughton als "einen klassischen Georgias".

Das Jahr 1999 stand zunächst in der Publizität ganz im Schatten des 98er-Riesenjahrgangs, dem Jahr, in dem vielen Winzern geradewegs Fruchtbomben gelangen. Aber wie inzwischen sich gezeigt hat, keineswegs jeder dem Wein eine anständige Struktur mitgeben konnte wie sie sich im 99gerGeorgias zeigt, die den Winzer voraussagen lässt, dieser Georgias werde mindestens 15 Jahre halten.

Laughton meint vom Georgias, bestens lasse er sich in den ersten zwei Jahren und dann anschließend ab fünf Jahren darauf trinken. Tatsächlich zeigte sich, dass der Wein, nachdem er seine jugendlichen Fruchtmuskel spielen ließ, lange in Verschluss ging. In dieser Zeit wandelte sich der Wein zu einem Grand Seigneur des Shiraz, jetzt in der Phase voller Trinkreife mit einer seltenen Vielfalt von Aromen: dunkle Früchte, Schoko, Hauch Teer und Leder. Dazu Spuren exotischer Gewürze. Was klingen könnte wie ein Wundertüten-Durcheinander ist genau das nicht, sondern eine wundervoll harmonische Komposition von Kraft und Eleganz. Ein konzentrierter, aber nicht überstrapaziert kondensierter, durch lange Tannine sich auszeichnender Wein, der mit feiner, zurückhaltender Säure geschliffen über die Zunge gleitet und den Gaumen für einen langen Abgang auskleidet. Die 15,5 Prozent kleidet der Körper spielend. Und Engelstusch: Eiche so sensibel eingepasst, das wegen Überholzung nicht geklagt werden muss.
Vor lauter Trinkgenuss nicht zu vergessen: Nach einstündigem Dekantieren ins große Glas bei 19 Grad gegeben, erblüht aus dem immer noch tiefrotem Wein ein Bouquet , das wie Häschennase freudig zuckschnuppern lässt.

Aussie-Guro James sieht sich veranlasst für diesen Georgias Paddock 94 Punkte zu vergeben und wählt die Charakterisierung "majestätisch". Dem kann auch eine demokratische Trinkerin mal zustimmen. Und zwar mit einem Punkt obendrauf. Oliver, wenn es kein Druckfehler ist, gibt in seinem Annual 87 Punkte und nur eine Lebensdauer bis 2007. Die Punktediskrepanz läßt bei allen divergierenden Geschmacksvorlieben fragen, wer da wann, wo, wie und vielleicht sogar was eigentlich probiert hat.

Zum Preis: Der angegebene war zu noch Boom-Zeiten gezahlt. Das heutige Preisbild spiegelt den kippeligen Status von australischem Premium-Wein hierzulande. Auf der einen Seite ist auch der Georgias inzwischen bei eingehender Nachforschung als Restflaschen bei nahezu verzweifelten Händlern mit anspruchsvollem Aussie-(Auslauf-)Programm deutlich günstiger zu erstehen. Auf der anderen erzielt er auf Fachauktionen schon nahezu Liebhaberpreise, unter anderem, weil er immer seltener importiert wird. 45 Euro waren für einen Wein dieser Klasse und Kondition angemessen.

VKN des 2000er, siehe dort.

13.09.2007: Das Bouqet wirkt nicht mehr derart betörend, aber der Wein gibt immer noch Grund zum Schwärmen. Was den Gaumen betrifft ist die obige VKN
voll zu übernehmen. Im Abgang macht sich dazu jetzt auch eine angenehme Zeder bemerkbar.
Trinkreife: trinken oder lagern