Pinot Gris, Le Fromenteau. 2005

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Stand vom 12.10.2010
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Bez.: Pinot Gris, Le Fromenteau.
Prod.: Josmeyer
Reg.: Frankreich - Elsass
Jahrgang: 2005
Typ: Weißwein
Rebsorte: Grauburgunder
Alkohol (Vol.%): 13
Preis: 13,9 Euro (ab Hof)
Bewertung:
Autor: Kollmann
Verk.-Datum: April 2007
VKN-Details:
SORTE
Der Grauburgunder (Pinot Gris in Frankreich, Pinot Grigio in Italien) ist höchstwahrscheinlich durch eine Knospenmutation aus dem Pinot Noir (Blauer Spätburgunder) entstanden. Die Heimat ist Burgund in Frankreich. Zisterziensermönche verbreiteten die Sorte im 14 Jahrhundert. (Quelle: Steurers Weinhandbuch.)
Schwer zu fassen ist das Aromaprofil des Grauburgunders. Art und Zusammensetzung der Bouquetkomponenten hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab, nicht zuletzt, welche Gärhefen im Keller verwendet wurden. (Hefeerzeuger werben sogar mit bestimmten Aromaprofilen!) Die Sorte erreicht ihre physiologische Reife erst dann, nachdem die Beere reichlich Zucker gebildet hat. (Mindestens 90 Grad Oechsle beziehungsweise 12,2 Vol% potentiellen Alkohol so die Faustformel.) Typisch für Grauburgunder ist eine relativ niedrige Mostsäure. In heißen, trockenen Jahren besteht deshalb Gefahr, dass Grauburgunderweine zu plump geraten, weil es ihnen an Weinsäure mangelt. Gute, trockene Grauburgunderweine bestechen dabei nicht nur durch Säurerückrat, sondern solche Weine haben auch gute Aromareserven und besitzen eine feste Struktur. Kein Zweifel, die Sorte stellt hohe Ansprüche an die Lage und den Winzer.

GESCHMACKSBILD
Weißgold mit ausgeprägter Schlierenbildung (Kirchenfenster) am Glaskelch.
Das Bouquet des „Le Fromenteau“ aus der Ernte 2005 ist nuancenreich, aber noch nicht plastisch und tief. Dazu bedarf es noch einiger Jahre Flaschenreife. Das Aromaspektrum reicht von fruchtigen Obstsalat-Noten (geschältes Kernobst, gelbes Steinobst und Litschi) über biologische Nuancen (frischer Biskuitteig), bis hin zu einer mineralischen Duftkomponente (Kalk und - nach Belüftung - auch Feuersteinaroma).

Im Mund zeigt der Wein einen interessanten Verlauf. Der Geschmack startet mit fruchtigen Primäraromen. Lässt man den Wein ein paar Sekunden im Mund, gewinnt die Säure an Intensität. Im Abgang kommt endlich das Terroir zum Zuge. Die Struktur verdichtet sich. Das Finale ist mineralisch und mit feiner Säure unterlegt. Der Geschmack bleibt lange im Mund.

MEINE SCHLUSSFOLGERUNG
Das Lesegut war gesund, denn das Bouquet besitzt scharf gezeichnete Trennlinien. (Nichts ist verschwommen oder gar diffus.) Im Mund hat der Wein einen festen Fruchtkern. Der Geschmack ist harmonisch: Perfekt reife Beeren. (Die Information des Erzeugers, dass der Wein aus selektioniertem Lesegut gekeltert wurde, stützt diese These.)
Festigkeit im Mund und ausgeprägte Mineralik sprechen für einen Ertrag unter 2 Kilogramm Trauben pro Stock. Der Wein befindet sich jetzt im ersten Drittel seiner Lebenslinien. Den Zenit sehe ich 2011. Dann ist das Bouquet geöffnet und das Aromaspektrum wird vielleicht noch um feine Reifenoten bereichert.
Klasse: Das Flaschenetikett untertreibt. Der Pinot Gris „Le Fromenteau“ 2005 ist kein süffiger Sortenwein, sonder vielmehr ein anspruchvoller Lagenwein, der für seine Entwicklung Zeit benötigt.

ERZEUGERKOMMENTAR
Der Pinot Gris „Le Fromenteau“ wurde aus selektionierten Trauben erzeugt. Die Reben für diesen Wein stehen auf Sandboden. (Sandböden ergeben tendenziell eher leicht zu verstehende Weine.) 2005 gab es im Elsass Probleme, weil die Witterung im August zu trocken war. Vor allem Winzer, die hohe Erträge anstrebten, hatten 2005 Schwierigkeiten, ausreichend hohe Mostgewichte zu erreichen. (Viele Rieslinge sind nicht auf 11 Vol% potentiellen Alkohol gekommen.)
Um trotzdem perfekt reife Beeren lesen zu können, waren manchmal bis zu drei Lesedurchgänge erforderlich.
Der (kostspielige) Aufwand ergab besonders extraktreiche Weine.
Typisch für die Ernte 2005 ist, dass sich die Weine langsamer als gewöhnlich in der Flasche entwickeln. Nach der Lese wurden die Pinot Gris Beeren ganz langsam gepresst. (Ein Pressdurchgang dauerte 12 Stunden.) Abgefüllt wurde der „Le Fromenteau 2005“ im Juni 2006.
Trinkreife: noch lagern